Full text: Über seine zweite Schingú-Expedition

  
402 Briefliche Mitteilungen. 
müdenden Frage- und Antwortspiels gedenke, mit welchem ich im Laufe 
der Jahre die Geduld eines Körnicke, Rohlfs, Th. Dyer, Oliver, 
Zittel, Barbey, E. v. Martens, G. Ravenstein, Camperio, Friederichsen, 
Paul Schreiber und vieler Andrer auf die Probe gestellt habe. Die 
heilige Pflicht der Dankbarkeit macht mich zum Schuldner aller und 
ich kann nur um gütige Stundung meiner Gegenleistungen für erprobte 
Treue bitten, um Prolongation des Wechsels eingegangener Verpflich- 
tungen. 
Briefliche Mitteilungen. 
Herr Dr. A, Hettner schreibt an den Vorstand der Gesellschaft 
von Arequipa, den 14. August 1888, wie folgt: ‚Nachdem ich vom 
21. Juni bis zum 7. Juli Lima und seine nähere Umgebung be- 
sichtigt und einen Ausflug auf der großartigen Oroyabahn nach Chida 
und von da über den die beiden Weltmeere scheidenden Kamm in 
den Minendistrikt von Yauli unternommen hatte, traf ich am 11. Juli 
in Mollendo, dem eigentlichen Ausgangspunkte meiner Reise in das 
peruanisch-bolivianische Hochland ein. Ich hatte die Absicht, gleich 
von hier aus zu Pferd oder zu Maultier nach Arequipa zu reisen, 
aber da man in Mollendo wegen des großen Futtermangels keine 
Reittiere hält, mußte ich diese Absicht vorläufig aufgeben und die 
Eisenbahn benutzen, die seit dem Jahre 1871 den Verkehr zwischen 
Mollendo und Arequipa vermittelt und von da weiter nach Puno und 
Santa Rosa führt. Erst nachdem ich mir in Arequipa Maultiere ge- 
kauft hatte, konnte ich die Küstengegend auf einem einwöchentlichen 
Ausfluge etwas gründlicher studieren, als es von der Eisenbahn aus mög- 
lich gewesen wäre. 
Die peruanische Küste zwischen Mollendo und Arequipa zeigt 
einen ähnlichen Stufenbau, wie er weiter südlich von der ehemals 
bolivianischen Küste beschrieben worden ist. Unmittelbar aus dem 
Meere oder aus einem schmalen sandigen Küstenstreifen erhebt sich 
in steilen Klippen eine nur wenige Kilometer breite, von Schluchten 
durchschnittene und gewellte, nach hinten ansteigende Platte, deren 
oberer Rand ungefähr in 400m Meereshöhe liegt. Sie lehnt sich an 
eine Bergkette an, welche man hier als die Lomas bezeichnet und 
deren mittlere Kammhöhe etwa 1100 m beträgt. Nur wenig tiefer, 
ungefähr in 1000 m, liegt der untere Rand der nun folgenden 
Ebene, welche hier, zwischen den Thälern des Rio Chili und des Rio 
Tambo, unpassenderweise den Namen Pampa de Islay führt, sich aber 
sowohl in nordwestlicher wie in südöstlicher Richtung weit über diese 
Thaler hinauserstreckt; ihre Breite beträgt etwa 40 km, auch sie steigt, 
wenn auch ganz sanft, nach hinten an und erreicht am nordöstlichen 
Rande eine Meereshöhe von 1700 m. Hier stößt sie an eine zweite 
Bergkette, welche von den Lomas gewöhnlich durch die Bezeichnung 
Cerros unterschieden wird. Der östliche Abstieg von dieser Kette 
führt zu einer dritten, abermals höheren Ebene, der Ebene von Are- 
  
  
  
 
	        
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