Full text: Mythen und Legenden der Taulipáng und Arekúna-Indianer (2)

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Einführung 9 
AUNEEIREIIIN III OOOO OOOO UOC OOOO OOOO OCIO 
gebung seiner Wohnung hált. (21, 26 und 1) In der Sage 21 sind diese 
zahmen Vógel zugleich seine Sklaven, Kelépiga, die seine grofen Tabak- 
pflanzungen bestellen. 
Auch einige der Kone’'wö-Erzählungen werden mit Piaz'má in Beziehung 
gebracht. (49 XVI, XVII, XVIII) Diese drei Erzählungen gehören offenbar 
zu den ältesten der Kone'wó-Sammlung, wie ich am Schluß dieses Bandes 
näher auseinandersetzen werde. Der furchtlose und ränkereiche Kone’wo, 
der alle Jaguare und andere gefährliche Tiere überlistet und tötet, schreckt 
auch vor diesem Unhold nicht zurück. Er tut ihm und seiner Frau allen 
möglichen Schabernack an, schießt sie mit dem Blasrohr wider empfindliche 
Körperstellen und entgeht ihnen durch einen Trick, der auch in einer 
anderen Sage (28) vorkommt. Auf der Flucht schreckt er einen Hirsch auf 
und springt dann rasch zur Seite, wo er ruhig stehen bleibt, während seine 
Verfolger an ihm vorbei rennen und statt seiner den Hirsch ergreifen. Er 
skalpiert später den dummen Piai’mä und reibt ihm den nackten Schädel 
mit zerstoßenem Pfeffer ein, so daß jenem, als ihm Kone’wö wieder begegnet 
ein Pfefferstrauch auf dem Kopfe wächst. Selbst als ihn Piai’ma nun ent- 
larvt, weiß sich Kone'wó seiner Rache zu entziehen. 
Piai’mä ist in diesen drei Erzählungen und in gewissem Sinne auch in 
der Sage 26, die von seinem Tode handelt, eine komische Figur. Schon die 
Worte, die Piaj’mä spricht, werden von dem Erzähler durch eine besondere 
Betonung und ungewöhnliche Ausdrücke ins Lächerliche gezogen. Der 
primitive Mensch verspottet auch den tapferen Feind im Kampfe. Piaj’mä 
spielt hier dieselbe Rolle, wie der gefährliche Jaguar, der in allen Sagen 
als der Dumme hingestellt wird. Dies ist in der natürlichen Neigung des 
Menschen begründet, den Feind lächerlich zu machen, um dadurch die 
Furcht vor ihm zu verbergen und den eigenen Mut hervorzuheben. 
Eine weitere furchtbare Gestalt in diesen Mythen, die mit Piai’mä eine 
gewisse Ähnlichkeit hat, ist Kasdna-podole, der ‚Vater des Königsgeiers‘. 
Er wohnt mit seinem Stamm, den Königsgeiern und gewöhnlichen Aas- 
geiern im Himmel, wo er und seine Leute nach Ablegen des Federkleides 
Menschen werden.! Er ist ein großer Zauberarzt. In dem Märchen vom 
1 Vultur papa Lin., Sarcorhamphus papa 
Sw. Über seine eigentümliche Stellung 
gegenüber den anderen Aasgeiern vgl. 
Richard Schomburgk: Reisen in 
Britisch- Guiana in den Jahren 1840 
bis 1844. Leipzig 1847, 1848. Bd. I, 
S. 464 ff., Bd. Il, S. 500—501. „Die 
höchst merkwürdige und auffallende 
Erscheinung, daß der Geierkönig nicht 
allein königliche Würde und königliches 
Ansehen von den Cathartes (gewöhn- 
lichen Aasgeiern) fordert, sondern daß 
ihm auch die tiefste Ehrfurcht von der 
ganzen Familie gleichsam nach einem 
zwingenden Instinkt gezollt wird‘, er- 
klärt es, daß er auch in der Mythe als 
mächtiger Herrscher auftritt.
	        
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