Full text: Erforschung des Rio Xingú

  
  
  
238 Correspondenzen. 
Correspondenzen. 
Herr Gustav Niederlein an Herrn Dr. Reiss, 
Primer Misionero, am Rio Alto Parand, 
Territorio de Misiones, 6. Juli 1884. 
Wie Sie wissen werden, hat mich die argentinische Regierung zum 
Inspector de Bosques ernannt und mich mit der naturwissenschaftlichen 
Erforschung des Misiones-Territoriums betraut. Spáter soll ich in den 
Gran Chaco versetzt werden und schliesslich ein Waldgesetz fiir Argen- 
tinien zu entwerfen haben. Ich bitte Sie, vorläufig mit kurzen Reise- 
berichten vorlieb nehmen zu wollen. 
Zunächst fuhr ich von Buenos Aires aus den Paranästrom hinaut 
zwischen den Provinzen Buenos Aires, Entre Rios, Santa Fé, Corrientes 
und den Gran-Chaco nach Corrientes. Dort verweilte ich mehrere Tage, sie 
zu kleinen Excursionen benutzend. Dann reiste ich per Dampfer 
auf dem Alto Paranä nach Ituzaingo und von dort per Postwagen 
durch Sandsteppen, mit hohen Gräsern und Zwergpalmen bestanden, an 
der gewaltigen Laguna Ibera vorbei, weiter durch wellige Weidegebiete 
und schliesslich durch höher gewelltes, zum Theil hügeliges, hie und da 
mit Wald bestandenes Terrain nach Posadas. Von Posadas aus stattete 
ich der alten Jesuitenortschaft Villa Encarnacion in Paraguay einen 
Besuch ab. Darnach ritt ich längs des Paranä thalauf, passirte 
zahlreiche Bäche und kleine Flüsse, die neuangelegten Colonien 
Candelaria und Santa Ana (ehemalige Jesuitenortschaften), die Zucker- 
plantagen von Boselti, Puck und Fernandez, Gouverneur Oberst 
Roca, Ortiz und Dr. Goyena, ferner die Ortschaften Loreto, San 
Ignacio und Corpus (gleichfalls ehemalige Jesuitenortschaften), um 
den Holzschlag von Tamaren und letztgenannte Zuckerpflanzung, 
eine Staatsconcession kennen zu lernen. Das durchzogene Gebiet 
ist «ein mit Wald und Weideland versehenes, landschaftlich überaus 
schönes Hügelterrain, das sich etwas landeinwärts zu niedrigen, aber 
malerisch schönen Waldgebirgen erhebt. Die Gebirge und auch alles 
übrige Terrain, mit Ausnahme von sehr unbedeutenden Stellen, wo 
rother Sandstein (tertiär) auftritt, bestehen aus basaltischem Gestein, 
das Quarze, Jaspis, Calcedone, Carneol, Achat etc. eingesprengt enthält. 
Der Untergrund des Bodens ist die Verwitterungsmasse des Eruptivge- 
steins, hat röthliches Aussehen, ist mässig getrümmert, nicht mächtig. 
Der Oberboden ist rother oder durch humose Bestandtheile dunkelge- 
färbter Thonboden. Den Rückweg machte ich in einer Canoa auf dem 
Strome. 
Nach der Rückkehr leistete ich einer Einladung der Besitzer einer 
Zuckerplantage, Primer Misionero, der Herren Puck und Fernandez, 
Folge und nahm dort am Rio Paraná, am Fusse des Cerro de Santa 
Ana zwischen den genannten Colonien in einem reichen Gebiet mein 
Standquartier. Früher war es eine Estancia der Jesuiten, unter dem 
Namen Nuestra Señora del Rosario und dann ein Kupferbergwerk 
gewesen. 
Von hier nun durchstreifte ich zunächst den Cerro de Santa Ana 
und die daran sich schliessende Sierra, ferner besuchte ich die ehe- 
  
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