Full text: Schilderung der Reise (1)

  
Nach Westen 
O manda 
mit Familie, die ich seinerzeit in Säo Marcos kennen lernte. Sie wollen zum 
Tacutú. , Feliz viagem !“ 
Nach Mittag kommen wieder zahlreiche Felsen mit heftiger Strómung. 
Wir müssen vorsichtig fahren und rücken nur langsam vorwärts. 
Auf einer Sandbank hält eine Menge Passaróes eine Konferenz ab, 
riesige Störche, weiß mit schwarzem Kopf und Schnabel und dunkelrotem 
Hals.! Sie sind hier sehr häufig, am oberen Rio Negro und seinen Neben- 
flüssen, wo sie mit dem indianischen Namen Tujujü bezeichnet werden, 
sehr selten. Gravitätisch steigen sie einher, wie Geheimräte bei einem 
Festakt. 
Am nächsten Morgen passieren wir mit Ziehen und Schieben die erste 
harmlose Stromschnelle, Cachoeira de Uamy, und kommen bald darauf 
an der Mündung des Majary vorüber, die durch eine lange Insel verdeckt 
bleibt. 
Der Majary oder Amajary ist der größte linke Nebenfluß des unteren. 
Uraricuéra. Er kommt aus Westnordwesten vom Südrande des niedrigen Rük- 
kens, der auf den Karten den Namen Pacaraima oder Paracaima führt, 
der Wasserscheide zwischen Amazonas und Orinoco. Sein Lauf, der zahl- 
reiche Stromschnellen aufweist, ist noch nicht genauer aufgenommen. Er 
entspringt wahrscheinlich nicht weit von den Quellen des Parauá, des 
großen linken Nebenflusses des Caröni, dessen Stämme mit den Indianern 
des oberen Majary in zeitweisem Verkehr stehen. Der Majary gilt als die 
„Kornkammer“ des unteren Uraricuéra. Seine Ufer sind fruchtbar und zum 
Anbau von Maniok geeignet. Die verhältnismäßig zahlreichen Indianer, die 
dort wohnen, liefern für die Viehzüchter des Uraricuéra die Farinha, das 
Maniokmehl, dieses unentbehrlichste Nahrungsmittel des brasilianischen 
Haushaltes. Den Unterlauf des Majary bewohnen Wapischäna, deren Moral 
und Rassereinheit unter dem Einfluß der ,,Zivilisatoren” sehr gelitten haben. 
Den Oberlauf halten Taulipäng besetzt, die in jeder Beziehung reiner ge- 
blieben sind. 
Um 1 Uhr legen wir in Apparecida an, dem Besitztum von Jakob 
Bamberg. Apparecida, eigentlich Santa Rita de Apparecida, macht mit sei- 
nem schönen, sauberen Wohnhaus und seinen guten Wirtschaftsgebäuden 
einen wohlgeordneten Eindruck. Von Donna Rosa, einer leichtbräun- 
lichen, dunkeläugigen, stattlichen Dame mit feinem, sicherem Auftreten 
werde ich liebenswürdig empfangen. Bald kommt auch er. Schmidt ist 
natürlich im Boot zurückgeblieben. Ein großes Glas kuhwarmer Milch, eine 
große Tasse vorzüglichen Kaffee, Unterhaltung über dies und das, zum Ab- 
1 Mycteria americana. 
  
 
	        
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