Full text: Ethnographie (3)

124 Ameisenprobe 
ließen. Um das Tier recht wütend zu machen, bliesen sie es vorher an. 
Als ich eines Morgens zufällig von einer Tocandira-Ameise in die Hand 
gestochen wurde und bald darauf einen starken Pacüfisch angelte, sagte 
Aküli: „Das verdankst du der llág.“ 
Dies alles beweist, daß die Ameisenmarter, neben der Erziehung zur 
Standhaftigkeit im Ertragen körperlicher Schmerzen, ein Mittel ist, die 
Tüchtigkeit des Mannes, besonders seine Fähigkeiten als Jäger und Fischer, 
anzuregen, zu erhalten und zu stárken?. 
  
1 Der Brauch, die Jünglinge durch Insekten, Ameisen und Wespen, beißen und stechen 
zu lassen, findet sich wahrscheinlich bei mehr Stämmen des tropischen Südamerika, als man 
nach den Berichten annehmen sollte. Dadurch, daß diese Weihe verhältnismäßig selten vor- 
genommen wird, ist sie auch nur selten beobachtet worden. Schon P. Gilij berichtet, daß die 
Tamanako am Orinoco die Standhaftigkeit ihrer Jünglinge durch Ameisenbisse erprobten 
(E. 8. Gilij, Saggio di storia americana. II, S. 347). Nach Crevaux durften sich bei den 
Karaiben und Warrau die jungen Leute beiderlei Geschlechts erst dann verheiraten, wenn sie 
die Ameisenmarter bestanden hatten (Crevaux, Voyages, 8. 612). Derselbe Reisende schildert 
eine maraké genannte Zeremonie bei den Rukuyenne am Jary, bei der die jungen Männer am 
ganzen Körper abwechselnd mit Ameisenbissen und Wespenstichen gepeinigt wurden (ebenda 
S. 249). Den gleichen Brauch fand Crevaux in verstärktem Maße bei den Apalai am unteren 
Parü (ebenda S. 307). Nach Coudreau, der ein Marakéfest bei den Rukuyenne ausführlich 
beschreibt, fand er sich früher auch bei den Oyampi und Galibi (Chez nos Indiens, S. 228, 548). 
Joest erwähnt die Ameisenmarter bei der Initiation der Zauberärzte der Indianer in Surinam, 
offenbar der Galibi (Joest a. a. O. S. 91 und Abb.). Nach R oth fand sich dieser Brauch bei 
derselben Gelegenheit früher bei den Warrau und Karaiben Britisch Guayanas (Walter 
E. Roth, An inquiry into the Animism and Folk-Lore of the Guiana Indians. 30. Annual Re- 
port of the Bureau of American Ethnology. Washington 1915. S. 339/340). De Goeje gibt 
eine genaue Beschreibung des Verlaufs einer Marakéfeier bei den Ojána (Rukuyenne) nebst 
einer Reihe von Abbildungen nach Momentaufnahmen, ferner Zeichnungen des Schmucks und 
der Geräte, die dabei verwendet werden (de Goeje, Beiträge, S, 17 #f., Taf. II, XIX und XX; 
vgl. auch de Goeje, Bijdrage, S. 27 und Taf. III). Die Marterinstrumente sind entweder 
einfach rautenförmig oder in Gestalt von Vierfüßlern, Vögeln, Fischen und anderen Tieren 
geflochten und häufig mit reicher Federmosaik verziert. Im Thurn fand die Ameisen- und 
Wespenmarter bei den Makuschi, Arekuná und Akawoio. Vor der Heirat legt sich der Jüng- 
ling zum Beweis, daß er ein Mann ist, in eine Hängematte voll Feuerameisen (Im Thurn 
a.a.0. 8.221). Auch der Jäger läßt sich von Ameisen stechen, die in eine kleine Matte ge- 
klemmt sind. Selbst die Hunde werden vor der Jagd mit dem Kopf in ein Loch gesteckt, das 
Ameisen und Wespen enthält, die noch durch Rauch gereizt sind; oder Ameisen und andere 
giftige Insekten werden an die Nasenlöcher der Hunde gesetzt (Im Thurn a. a. 0. 8. 221, 229; 
vgl. auch Roth a. a. O. S. 309f.). Auch von den Purukotó wurde die Ameisenprobe beim Ein- 
tritt der Jünglinge in die Pubertät angewandt (Barb. Rodr. a. a. O. 8. 142/143). Südlich vom 
  
Erklárung der Tafel 26 
Weberahmen zum Herstellen der Baumwollbinden, in denen die Säuglinge getragen werden: 
1 Yekuaná und Guinaú (Y/s n. Gr.). 2 und 3 Taulipäng ('/s und 0 Gr): 
  
 
	        
© 2007 - | IAI SPK
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.