Full text: Ethnographie (3)

   
136 Vorschriften nach der Geburt 
Pfeile verfertigen, nicht mit Bogen und Pfeil oder mit der Flinte schießen, 
sonst schlägt, schneidet, schießt er in den Kopf des Kindes!. — Er darf 
sich ein ganzes Jahr lang nicht mit seiner oder einer anderen Frau ab- 
1 Bei den Makuschi dauern die gemeinsamen Wochen der Eltern so lange, bis dem 
Kinde die Nabelschnur abfällt. Während dieser Zeit gilt die Mutter als unrein, und wenn 
der Mann keine besondere Hütte für die Wochen besitzt, muß er das Lager durch eine 
Wand von Palmblättern absondern. Weder Vater noch Mutter darf eine Arbeit verrichten. 
Der Vater darf die Hütte des Abends nur auf Augenblicke verlassen, nicht baden, keine 
Waffen angreifen. Beide Eltern dürfen nur lauwarmes Wasser trinken und Maniokbrei 
essen, den eine Verwandte bereitet hat (Rich.Schomburgk.a.a.O. Bd. II, S, 314). — 
Bei den Arowaken Surinams durfte der Mann in dieser Zeit keinen Baum fällen, keine 
Flinte abschießen und kein großes Wild jagen, da sonst das Kind krank werden und 
sterben würde. Es war ihm nur erlaubt, in der Nähe mit dem Pfeil kleine Vögel zu 
schießen und kleine Fische zu angeln (Quandt a. a. O. S, 252). — Nach dem Glauben 
der Surinam-Karaiben (Galibi) hing das Leben des neugeborenen Kindes ganz vom Vater 
ab. Dieser durfte daher auch kein schweres Werk verrichten. Die Jagd war ihm verboten, 
denn der Pfeil konnte das Kind treffen. Überall ging er langsam und vorsichtig um- 
her, indem er dornige Plätze mied. Selbst wenn es ihn juckte, durfte er sich nur sehr 
vorsichtig kratzen, um dem Kind keinen Schmerz zu bereiten (F. P. en A. P. Penard, 
De Menschetende Aanbidders der Zonneslang. Paramaribo 1907. $. 159). 
Ähnliche Gebräuche sind von allen Guayanastámmen und den Inselkaraiben bezeugt. 
Beide Eltern, häufig aber der Mann weit stärker als die Frau, waren nach der Geburt 
eines Kindes strengen Fasten unterworfen, die nicht selten viele Monate dauerten. Der 
Genuß des Fleisches bestimmter Tiere war besonders dem Vater verboten, um nicht ge- 
wisse minderwertige Eigenschaften des betreffenden Tieres auf das Kind zu übertragen. 
Auch durften beide Eltern während dieser Zeit keine schwere Arbeit tun, um dem Kinde 
nicht zu schaden. Bei manchen Stämmen mußte sich der Vater schmerzhaften Martern 
unterziehen. (Vgl. besonders Barrere, nach dessen Schilderung die Galibimänner bei 
der Geburt des ersten Kindes denselben anstrengenden Fasten und schmerzhaften Martern 
und Geißelungen unterworfen waren wie die Mädchen bei der ersten Menstruation (a. a. O. 
S. 223 ff.). — Weitere zahlreiche Beispiele aus der Literatur und nach eigenen Beob- 
achtungen hat Roth (S. 320 ff.) zusammengestellt. — Vgl. auch Kunike, Das sogenannte 
„Männerkindbett“, Zeitschrift für Ethnologie, 43. Jahrg. [1911], S. 550 ff.). 
  
Erklärung der Tafel 29 
Bleistiftzeichnungen des fünfundzwanzigjährigen Taulipáng Tamázi und seines zwanzig- 
jährigen Bruders Emazi; 1 Dutúru (Dr. Koch-Grünberg.) 2 Aeketön („Alter“ — Hermann 
Schmidt). 3 Hund. 4 Aguti (Goldhase: Dasyprocta) frißt Früchte. 5 Schildkröte, von oben 
gesehen. 6 Kaulquappe. 7 Tapir, von Hund verfolgt. 8 Agami (Trompetervogel: Psophia 
crepitans). 9 Pfeil (vom Zeichner „Pfeilspitze“ genannt, weil die Spitze als die Hauptsache 
behandelt ist). 10 und 11 Korbwannen mit Flechtmustern. 12 Skorpion. 13 Taulipáng 
Neweñgú, der die nebenstehende Reuse verfertigt hat. 14 Große Fischreuse mit doppeltem 
Fangtrichter und (unten) Handgriff (vgl. Tafel 18 2a, b, e). 15 Adler, wahrscheinlich Harpyia 
destructor, 16 Brüllaffe (Mycetes) auf einem Ast. 17 Manioksieb. 18 Ibis. (?/s n. Gr.) 
   
  
  
  
   
  
  
  
  
 
	        
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