Full text: Ethnographie (3)

    
    
192 Totengeist des Zauberarztes 
= 
nervöse Mensch im Halbschlaf das Geräusch der wider die Bootswände 
schlagenden Wellen gehört, was dann diesen Traum auslöste. 
In der Sage träumt der Zauberarzt Majtwadle von einem schönen 
Mädchen, das am anderen Tag auch wirklich in der Person der Tochter 
des Königsgeiers zu ihm kommt. Später sieht er im Traum seine Frau mit 
zwei Aasgeier-Brüdern vom Himmel zurückkehren, was gleich darauf so ein- 
trifft !, 
Wie im Leben, so nimmt der Zauberarzt auch im Tode eine Sonder- 
stellung ein. Sein Schatten geht nicht in das Jenseits der gewöhnlichen 
Sterblichen, sondern in die Gebirge zu den Mauarí, von wo sein Geist den 
irdischen Kollegen bei den Krankenkuren beisteht. 
Jede Krankheit, welcher Art sie auch immer sein mag, wird dem rach- 
süchtigen Einfluß eines bösen Geistes oder der zauberischen Einwirkung 
eines schlechten Menschen, meistens eines Zauberarztes, zugeschrieben’. 
Deshalb ist der Zauberarzt vermöge seiner übernatürlichen Kräfte in erster 
Linie dazu befähigt, Krankheiten zu heilen. 
Der äußere Verlauf einer Krankenkur ist mehr oder weniger stets der 
gleiche. Sie findet nur in der Nacht statt, nachdem sämtliche Feuer in der 
Hütte des Kranken ausgelöscht sind, und dauert in der Regel von acht 
bis elf Uhr, bei schweren Fällen bis nach Mitternacht 3, Bisweilen wird die 
1 Vgl. Band II, $. 81, 84/85. 
2 So ist es bei allen Stämmen Südamerikas ; vgl. besonders Rocheforta.a. 0.8.8343 
(Inselkaraiben); Quandt a. a. O. S.258; Brett a. a. 0.S. 365 (Arowaken); Barrere a.a. 0» 
8.213 (Galibí); de Goeje, Beiträge, S. 13 (Ojana, Trio); Roth a. a. 0.5.346. — Dobriz-. 
hoffer drückt dies sehr treffend aus, wenn er schreibt: „Es sterbe jemand mit Wunden 
überhäufet, mit zerquetschten Knochen oder von dem Alter ausgezehret; daß die Wunden 
oder die Erschöpfung der Leibeskräfte an seinem Tod Schuld waren, wird kein Abiponer ein- 
gestehen. Sie werden sich vielmehr Mühe geben, den Schwarzkünstler und die Ursache aus- 
findig zu machen, weswegen ihm dieser vom Leben geholfen hat“ (Martin Dobrizhoffer. 
Geschichte der Abiponer, einer berittenen und kriegerischen Nation in Paraguay. Aus dem 
Lateinischen übersetzt von A. Kreil. Wien 1783. Bd. II, S. 107). 
3 Ebenso bei den Trio und Ojana (de G oeje, Beiträge, S, 18). — Auch bei den Insel- 
karaiben fanden die Krankenkuren stets bei Nacht statt, nachdem alle Feuer in der Hütte 
  
Erklärung der Tafel 36 
1 Holzspatel zum Umrühren der Maniokgetränke, Taulipáng (/«n. Gr.). 2 Quirl, zur Festzeit 
mit Gehängen geschmückt, europäischer Einfluß, Taulipáng (*/s n. Gr.). 3 Kleinkinderspiel- 
zeug aus zwei kleinen Kalabassen, Taulipáng (*/s n. Gr.). 4 Schlagball aus Maisbláttern; 
5 Wurfball aus entkörntem Maiskolben mit eingesteckter Feder, Taulipäng, Makuschi, Wa- 
pischána (?/sn. Gr.). 6 Brummkreisel, Taulipáng (/a n. Gr.). 7 Schnurre, Taulipáng, Makuschi 
Wapischäna (/on.Gr.). 8 Vexierspiel, Taulipáng (/an.Gr.). 9 Fangspiel,Wapischäna (/an. Gr.) 
9a untere Öffnung von 9.
	        
© 2007 - | IAI SPK
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.