Full text: Ethnographie (3)

    
    
  
     
58 Jagd und Waffen 
gefunden. Am oberen Rio Negro werden sie von den Indianern vielfach als 
Reliquien aus Väters Zeiten aufbewahrt und bisweilen sogar, wie bei uns, 
mit abergläubischer Scheu betrachtet*, Am mittleren Uraricuéra erhielt ich 
von einem Ansiedler eine große, glattgeschliffene Axtklinge aus gelbem Horn- 
stein, die er beim Anlegen einer Pflanzung in der Erde gefunden hatte. 
Sie hat eine Länge von 16 cm, eine größte Breite von 8,8 cm und nahe 
dem schmalen Bahnende zwei Schäftungseinschnitte, die in glatten Schleif- 
rillen Spuren langen Gebrauches zeigen (Taf. 19, 12). Ein anderer Ansiedler 
schenkte mir ein altes Steingerät, das er auf der Savanne gefunden hatte. 
Es ist sehr regelmäßig in der Form einer 4,8 cm dicken Scheibe von 9,2 cm 
im Durchmesser aus schwerem, gelblichem Quarzit gearbeitet. Über den 
Gebrauch kann ich nichts Bestimmtes sagen; vielleicht diente es zum Zer- 
reiben von Mais (Taf. 19, 11). 
Zu den Geräten einer weit entlegenen Zeit des Sammelns gehört eine 
Art langen Messers aus dem harten Holz der Tucumä- (Astrocaryum Tu- 
cuma) oder Paschiübapalme (Iriartea exorhiza). Es diente dazu, Urucü- 
und andere Früchte abzuschlagen, und scheint nach den Beschreibungen 
der Indianer noch heute im Gebrauch zu sein. Die Schneide dieses Werk- 
zeugs muß sehr scharf sein, denn in der Plejadensage der Arekuná haut 
Wayúlale damit ihrem Gatten das Bein ab?. 
Jagd, Waffen: Trotz des einfachen Ackerbaus, der seinem häuslichen 
Leben das Gepräge gibt, ist auch der seßhafte Indianer auf der Jagd in 
seinem eigentlichen Lebenselement. Er vereinigt in sich alle echten Jäger- 
eigenschaften, ein scharfes Auge, eine sichere Hand, ein vorzügliches Gehör, 
einen fast tierischen Geruchsinn. Er weiß sich geräuschlos und unbemerkt 
anzupirschen, und dies gelingt ihm um so eher, als sich die braune Haut 
seines nackten Körpers der Umgebung anschmiegt und ihn im Halbdunkel 
des Waldes fast unsichtbar macht. Er kennt genau die Gewohnheiten eines 
jeden Jagdtieres; er kennt seinen eigentümlichen Ruf und versteht es meister- 
haft, durch Nachahmung dieser Laute das Wild anzulocken. 
Eines Tages war ich mit meinem Begleiter Mönekat auf der Hokkojagd. 
Wir hatten uns mühsam durch das Ufergestrüpp gearbeitet und kauerten 
nebeneinander im Hochwald am Boden. Mónekaí ahmte täuschend den 
schmachtenden Lockruf des Hokkohuhns nach. Sofort stürmte der Hahn 
mit gespreizten Flügeln auf uns los; kaum fand ich Zeit zu schießen. 
ı Vgl.die „Dämonenäxte“ der Kobéua; Koch-Grünberg, Zwei Jahre usw. Bd. II, S. 90. 
2 Vgl. Band II, S. 61, 242. 
 
	        
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