Full text: Mexiko

  
Auf der Hacienda. 41 
Ferner giebt es eine dritte Sorte Mägde, die nur 
um die Perſon der Herrſchaft beſchäftigt ſind. Dieſe gehen 
ab und zu, bringen für die alte Dame, die Mutter des 
Hacendado, Kohlenbecken zum Fußwärmen, ſie wickeln für 
die Damen Zigaretten und ſäubern die Stuben. Einige 
unter ihnen halten ſich im Damenzimmer auf, der Herr— 
ſchaft Geſellſchaft leiſtend, ähnlich wie in orientaliſchen 
Häuſern, wo die Untergebenen, wenn ſie ſonſt nichts 
Dringendes zu thun haben, neben den Herrinnen kauern 
und mitrauchen und mitplaudern dürfen. Natürlich nur, 
wenn kein Beſuch da iſt. Dann gilt wieder das ſtrengere 
weſteuropäiſche Zeremoniell, welches den jungen Damen 
früher in Paris und Madrid angewöhnt worden iſt und 
das ſie ſo gern auf Stunden vergeſſen. 
In dieſem Hauſe iſt die große Dienſtbotenzahl übrigens 
bedingt durch die beſonders ſtarke Familie. Die alte 
Dame war vielfach Großmutter und hatte das Glück, ſämt— 
liche zahlreiche Kinder, verheiratete, wie unverheiratete, um 
ſich zu haben, dazu auch die Kindeskinder. Alle wohnten 
auf dieſem Gute, es waren mehr als hundert Familien— 
mitglieder. Dies Umgebenſein von lauter lieben Ange— 
hörigen war das größte Glück und der größte Stolz 
dieſer für ihre eigene Perſon recht anſpruchsloſen Dame. 
Dieſe Behaglichkeit wurde noch dadurch erhöht, daß ſelbſt 
der zahlreiche Dienerkreis kein fremdes Geſicht ſeit Jahren 
aufwies. Alles, was die alte Dame dort überſah, war 
auf dem Gute geboren und groß gezogen, daher der Name 
Criados, Kreaturen, Mitaufgezogene. 
  
 
	        
© 2007 - | IAI SPK
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.