Full text: Die Grundlagen des neunzehnten Jahrhunderts und Immanuel Kant

Besprechung von Dr. Otto Pötzl, Wien 
  
2a. 
E. T. A. Hoffmann sagt einmal vom. Historiker, er 
sei eine Art redendes Gespenst aus der Vorzeit. Viele 
moderne und alte Historiker würden eher verdienen, Gei- 
sterbeschwörer genannt zu werden, da sie mit allen ihren 
Worten doch nur blutlose Schemen der Vergangenheit 
heraufzuzaubern vermögen: Allein sie selber betrachten 
ja vielleicht diese Gespenster, die manchem fühlenden und 
schauenden Menschen erscheinen und mit spukhafter Ge- 
nauigkeit handeln, wie sie es einst als Menschen taten, 
als eine ganz unerwünschte und überflüssige Beigabe, als 
ein Spiritistenkunststück, ‘das ihre exakte Forschung äfft. 
Die Geschichte ist freilich ein Reich der Mütter; nur 
dann entsteigen aus ihr Gestalten zu neuem, reichen Leben 
und Wirken, 'wenn: Faustens glühender Schlüssel sie em- 
porzwingt aus den dämmernden. Asphodeloswiesen und 
Hainen des Hades. 
Der kühne Magier, dem die Macht des glühenden 
Schlüssels zuteil geworden ist, hat aber die Fähigkeit 
nicht, ein objektiver, reiner Historiker zu sein. Um Ver- 
storbene aus der Hypnose des ewigen Schlafes zu wecken, 
auf dass sie wirken und weben wie Lebendige in uns 
und um uns, bedarf es einer starken Persönlichkeit, die, 
ihrer selbst. bewusst,’ keineswegs sich verleugnen will, 
auch dann nicht, wenn die Exaktheit des Stoffes dieses 
Opfer verlangte. if 
‘Houston Stewart Chamberlain; der es vermag, alle Ge- 
schichte in das warme; pulsierende Leben. der Gegenwart 
herüberzubannen, muss darum in der Behandlung seiner 
Stoffe ein Dichter bleiben: und er darf verlangen, dass un- 
ser Blick ‚‚seiner'.anschauenden: Gebärde“ folgt. Folgen 
wir:ihm schauend, so erblicken wir. alles, was da gegeben 
und: vollendet. ist, ...wieder. .als.. Wellen :im. ewigen Strom 
10° 
 
	        
© 2007 - | IAI SPK
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.