Full text: Die Grundlagen des neunzehnten Jahrhunderts und Immanuel Kant

    
    
28  Chamberlain, Grundlagen des XIX. Jahrhunderts 
  
veränen Selbstgefühl die Bedeutung der  wissenschaft- 
lichen Intuition proklamiert und mit gelehrten. Ansichten 
aller Art ohne jeden Respekt vor irgendwelcher Autorität 
keck aufgeräumt hat, sich selbst unter dem Joche ähnlicher 
Ansichten winden und nach einem Ausweg aus dem wis- 
senschaftlichen Dilemma mühsam suchen. Der schöne, 
siegesfrohe Subjektivismus seiner Darstellung: sinkt dann 
wie von einem hinterlistig sich heranschleichenden Objek- 
tivismus gefällt zu Boden, als wäre mit dem Kraute Mistil- 
tein nach einem Baldur geworfen worden. 
Dieses heisse, aber vergebliche Bemühen tritt, wie uns 
scheint, besonders bei der Behandlung einer Kernfrage 
seines’ Buches, der Frage nach der Bedeutung und Ent- 
stehung der Rassen deutlich hervor. ‚Vielleicht gibt es 
keine Frage, über die selbst bei hochgebildeten, ja gelehr- 
ten Männern eine so mitternächtige Unwissenheit herrscht, 
wie über das Wesen und die Bedeutung des Begriffs 
‚Rasse‘ “, So leitet Chamberlain selbst die Erörterung über 
diese Frage ein. Er schiebt die Schuld an der Konfusion 
der Ideen, die hinsichtlich dieses. Begriffs besteht, der 
Wissenschaft zu. ‚‚Eine der verhängnisvollsten Verirrun- 
gen unsrer Zeit ist die, welche uns dazu treibt, den soge- 
nannten ‚Ergebnissen‘ der Wissenschaft ein Übergewicht 
in unsern Urteilen einzuräumen.“ Jene ‚„Konfusion ist 
nicht nötig, d. h. bei uns’ praktischen, handelnden, dem 
Leben angehörigen Männern nicht.“ Damit hätte er ja 
ganz scharf den Standpunkt präzisiert, von dem aus er an 
die Erörterung des Rassenbegriffs herantreten will, und 
die Art, in der er auf diesen Seiten mit der wissenschaft- 
lichen Konfusion aufräumt, ist wieder so stark, so durch- 
schneidend, so frisch und göttlich grob, dass es eine Lust 
ist, ihm zu folgen. Aber sehen wir zu, ob er auch wirklich 
seinen Standpunkt fest behauptet. Zunächst ganz gewiss. 
„Unmittelbar überzeugend wie nichts anderes ist; der Besitz 
von ‚Rasse‘ im eigenen Bewusstsein. Wer einer ausgespro- 
chen reinen Rasse angehört, empfindet es täglich . . . . 
 
	        
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