Full text: Die Grundlagen des neunzehnten Jahrhunderts und Immanuel Kant

    
    
A 
44  Chamberlain, Grundlagen des XIX. Jahrhunderts 
  
um in ihr ein monumentales Werk für alle Zeiten niederzu- 
legen. Er erklärt nicht nur, dass sie seinen Gedanken den 
besten Ausdruck zu verleihen vermag, er erwartet auch 
bei dem Volke dieser Sprache ein besonderes Entgegen- 
kommen und Verständnis zu finden. 
Das Buch, auf welches diese Zeilen hinleiten sollen, 
ist von Houston Stewart Chamberlain verfasst und betitelt: 
Die Grundlagen des neunzehnten Jahrhunderts. Es bildet 
in zwei Halbbänden von rund tausend Seiten nur den 
ersten Teil des ganzen Werkes. Der zweite soll das neun- 
zehnte Jahrhundert selbst zum Gegenstand haben. 
Schon wer sich daran wagt, die tausendfachen Be- 
ziehungen, die von unserer Zeit zurück in die Vergangen- 
heit führen, zu entwirren und den einen oder die mehreren 
roten Fäden klar zu legen, das grosse Wollen, das sich 
eine solche Aufgabe steckt, muss unsere Achtung erobern. 
Es bedarf eines frischen Mutes, die Weltgeschichte in reli- 
giöser, staatlicher, wissen- und wirtschaftlicher und künst- 
terischer Richtung hin zu erfassen und einheitlich zusam- 
menzuziehen, wo es so viele Tyrannen gibt, die jeden 
Eintritt auf ihr kleines Gebiet empört und verächtlich zu- 
rückweisen. Wenn irgendwo, so besteht aber auch hier 
tatsächlich die äusserste Gefahr, in der wungeheuren 
Menge des Stoffes unterzugehen, oder willkürlich den Bo- 
den der Welt zu verlassen und in den grenzenlosen Lüften 
herumzuschweben. Was einzig vor jener ersten Klippe be- 
wahren kann, das ist das Vorgehen des Künstlers, der das 
Nebensächliche beiseite lässt, das Wesentliche hervorhebt, 
überhaupt gestaltet. Die grossen Licht- und Schatten- 
flächen, die einheitlichen unzerstückelten Linien unter- 
scheiden die Porträte der klassischen Kunst von denen der 
früheren Zeit. Wie jene Meister, so schafft auch Cham- 
berlain durch weitausgreifendes Zusammenfassen der Tat- 
sachen und Darstellen nach der entscheidenden Seite hin. 
Die Ähnlichkeit darf dabei nicht verloren gehen — und 
das wäre die zweite Klippe. Darum will der Verfasser, wie 
 
	        
© 2007 - | IAI SPK
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.