Full text: Im Reiche des Kondor

    
    
174 v>o00000000000000000000 Neuntes Kapitel, 0000000000000000000000000000 
form gebaut. Lange, nur zum Teil gepflasterte Straßen, abge- 
schlossen, von gelbgrünen Zuckerfeldern, über denen sich nach 
Westen hin in der Ferne, in mehreren Ketten übereinandergelagert, 
die blauen Berge des Aconquija aufbauen. Die Fronten der im 
Kolonialstil erbauten Häuser sind bunt, zum Teil grell bemalt. 
Unter den Drähten der elektrischen Leitungen sprengen — ein 
charakteristisches Zeichen für die Provinzstadt — zahlreiche 
Reiter, meist Mestizen, auf kleinen rassigen Pferden hin und her, 
häufig auch Frauen, auffallend durch die großen, schwarzen, träu- 
merischen Augen mit feucht schimmernder, perlmutterartiger 
Hornhaut. Ganz junge Dinger sieht man darunter, die schon ein 
Kind hinter sich sitzen haben, denn hier, in dem warmen sub- 
tropischen Klima, heiraten die Frauen vielfach schon mit zehn und 
zwölf Jahren. Ich habe dort eine elfjährige Mutter gesehen, 
Wie in allen südamerikanischen Städten spielt sich das gesell- 
schaftliche Leben fast ausschließlich in den Abendstunden in der 
Öffentlichkeit ab, und zwar auf dem Hauptplatz, wo die städtische 
Musikkapelle allabendlich ihre Weisen ertönen läßt. Es ist wirk- 
lich der Mühe wert, sich dieses bezaubernde Bild anzusehen, das 
überstrahlt wird vom Mondschein. Palmen und Bambusgebüsch, 
untermischt mit üppigen Blumenbeeten, zieren den Platz, um 
den eine schöne Promenade führt, auf der sich die ganze Ge- 
sellschaft der Stadt abends trifft. Was es an schönen Mädchen 
in Tucumän gibt, das promeniert zwischen 9 und 11 Uhr hier um- 
her, in die elegantesten Toiletten gekleidet. Ein Gesicht hübscher 
als das andere, allen gemeinsam braunes oder kohlschwarzes Haar, 
leicht orangefarbener Teint, ein lieblicher Gesichtsausdruck, fabel- 
hafte Eleganz und wunderbar graziöse Allüren. Man muß diese 
Damen gesehen haben, wie sie in Gruppen herumspazieren, in 
Kleidern und Hüten, die die Konkurrenz keines Weltmodeplatzes 
zu scheuen brauchen, wie sie miteinander plaudern mit süßer 
melodischer Stimme und den Fremdling mit fröhlichen, oft naiv- 
kühnen Blicken mustern, Die Tucumäner sind stolz auf die 
Schönheit ihrer Frauen — und das mit vollem Recht. 
Bekamntlich ist die Argentinerin eine der schönsten Frauen 
der Welt, wenn nicht die schönste, Buenos Aires zeigt in dieser 
Beziehung eine Mannigfaltigkeit wie keine andere Stadt. Dort 
leben vorzugsweise Abkömmlinge spanischer und italienischer 
Rasse, vielfach mit einem leichten Einschlag indianischen Blutes, 
dann die vielen herrlichen Produkte aus Mischehen, unter denen 
  
 
	        
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