Full text: Im Reiche des Kondor

  
238 >vv000000000000000000000 Elftes Kapitel, 00000000000000000000000000000 
herniederfuhr, sahen wir hocherfreut das rettende Ufer vor uns. 
Dicke schwarze Wolken mit schwefligen Rändern rollten dicht 
auf den Wellen über uns hinweg. Wie wir da gearbeitet haben! 
Keiner sprach ein Wort, aber jeder gab sein Bestes her. Schwer 
klatschten die bleiernen Wogen von der Seite her über uns fort. 
Wasser haben wir genug geschluckt. Unsere Arbeit wurde aber 
von Erfolg gekrönt. Immer näher kam das rettende Ufer. Plötz- 
lich konnten wir auf hartem Sandboden fußen. Noch ein paar 
Stöße und das Boot glitt auf den Strand. Wir waren gerettet. 
Einige hundert Meter weiter war die Insel zu Ende, 
Nun war die heiße Luft uns sehr willkommen, Im Nu hatten 
wir uns unserer Kleider entledigt, die auf dem Schilfe zum Trocknen 
ausgebreitet wurden. In puris naturalibus machten wir uns daran, 
mit dem Boote ein Schutzdach zu errichten, das durch das Teer- 
segel nach NW wasserdicht abgeschlossen wurde, denn es stand zu 
erwarten, daß der übliche Gewitterregen bald niederprasseln 
würde. Der ließ denn auch nicht lange auf sich warten. Ein furcht- 
bares Gewitter tobte, Blitz auf Blitz fuhr vor uns in den See oder 
hinter uns in das Schilf. Das ganze Firmament schien eine Lohe 
zu sein, Dann folgte ein Wolkenbruch. Unsere Sachen hatten wir 
unter das schräg aufgerichtete Boot geschafft und uns selbst dar- 
untergelegt, So war es ganz gemütlich, nur fehlte uns Rauch- 
material, denn der Tabak war bei der Spazierfahrt durchnäßt. 
Wir sahen der weiteren Entwicklung nun in aller Ruhe entgegen. 
Ich trocknete und putzte meine Waffen. 
Gegen Abend ließ der Sturm plötzlich nach. Der Himmel 
ward hell, und die Abendsonne leuchtete, als ob nichts Besonderes 
vorgefallen., Derartige Naturerscheinungen sind selten auf den 
Seen. Ob dieses Ereignis durch seismische Vorgänge verursacht 
worden, ist schwer zu sagen. Tatsächlich hatte an diesem Tage 
in den Kordilleren ein schweres Erdbeben stattgefunden, ein sel- 
tenes Ereignis im Herbste, denn die Erde bebt dort gewöhnlich 
nur im Sommer, dann aber fast täglich, Immerhin war dieses 
Erlebnis unter verschiedenen Gesichtspunkten interessant und 
lehrreich, 
Die Huarpes waren natürlich traurig, daß sie ihre Fische ver- 
loren hatten, Übrigens passierte noch etwas Merkwürdiges. Am 
Hinterteile des Kahnes war, wie schon erwähnt, eine Schnur mit dem 
Blänker befestigt. Ich wollte nun die Schnur aufwickeln, Dabei 
merkte ich, daß ein schwerer Fisch daransaß, Wir landeten ihn 
  
 
	        
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