Full text: Frieden im Krieg

licher Tiefe und Kraft, ein Mut, der ſchon auf den Frieden 
hinwies, den nur der Friede zu lehren vermochte und der 
etwas gänzlich anderes als jene Großmannsſucht und Prah⸗ 
lerei war, die man im Kriege lernt. 4 
Während jeder kampffähige Mann damit beſchäftigt 
war, die Stadt gegen den äußeren Feind zu verteidigen, 
ſorgte eine Gruppe von Veteranen für die Aufrechterhal— 
tung der inneren Ordnung. Es waren zum größten Teil 
Nationalgardiſten aus dem ſiebenjährigen Kriege, die den 
Anſtrengungen des nächtlichen Wachtdienſtes nicht mehr ge⸗ 
wachſen waren, ſo wurden ſie dann als Straßenpatrouillen 
verwandt. Man nannte ſie allgemein Chimberos, das heißt 
Vogeljäger. Ihnen zur Seite ſah man zwei oder drei acht— 
zigſährige, mit Schirmen bewaffnete Männer daherkommen, 
die ſchon kein Gewehr mehr auf der Schulter tragen konnten. 
Und die Greiſe, die gelaſſen auf dem Fahrdamm der Straße 
einherſchritten, mit ihren „Waffen“, die untätig auf der 
Schulter ruhten, ihren Polizeidienſt verrichteten, weckten alte 
Erinnerungen und verbreiteten eine wundervolle Ruhe um 
ſich, als ein lebendiges Symbol des Friedens, der tief unter 
der Oberfläche der kriegeriſchen Wirren ſeinen nie abreißen⸗ 
den Faden ſpann. 
So wie Kinder auf einer einſamen Wanderung durch 
das Dunkel der Nacht einen Geſang anzuſtimmen pflegen, 
um ſich das beruhigende Gefühl zu verſchaffen, daß ſie nicht 
allein, ſondern mit anderen zuſammen ſind, ſo ſangen jetzt 
viele, um ſich ſelbſt Mut zu machen, ſpielten Gitarre und 
MWandoline und brannten Feuerwerk ab. Am zweiten Tage 
des Bombardements nahm Juanito an dem Tanzfeſt teil, 
das an jedem erſten Sonntag nach dem Karneval ſtattzufin⸗ 
den pflegte. 
Am fünften und ſechſten Tage wurde das Bombardement 
heftiger. Manche Stunde ſchlugen mehr als dreiundachtzig 
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