Full text: Frieden im Krieg

  
ben. Das Schlachtfeld war mit Mänteln, Taſchen, Patronen 
und Broten bedeckt, deren Reſte und Brocken ſich mit der 
Erde miſchten, die unſere gemeinſame Mutter iſt, ſie, die die 
Vergangenheit verſchlingt und die Zukunft in ihrem Schoße 
birgt. Einige von den Leichen lagen, offenen Auges zum 
Himmel emporſtarrend, da, manche hatten einen ſchläfrigen 
Ausdruck, manche waren in der Erſtarrung des Schreckens 
tief ſchwarz gefärbt. Einzelne ſchienen zu ſchlafen, andere 
hielten die Waffe mit der Hand umklammert, ſene ruhten 
auf dem Bauche, dieſe lagen auf den Knien. So manches 
Toten Haupt lag auf der ſtummen unbewegten Bruſt eines 
anderen. Die einen hatte der große furchtbare Moment in 
voller Tätigkeit, bei der pünktlichſten, gewiſſenhafteſten Aus— 
führung eines Befehls überraſcht, andere wieder, während 
ſie läſſig dalagen und ausruhten, noch andere hatten, von 
einem wilden Schrecken und Grauen gepackt, den Tod auf 
ſich zukommen ſehen, wieder andere in einem Zuſtand der 
Schlaffheit, während des letzten Schlummers, in dem das 
Leben dahinſchmilzt. 
In dieſer traurigen Nacht vom 28. zum 29. ſchliefen die 
Lebenden neben den Toten, während die Raben in Scharen 
von den Höhen herbeigeflogen kamen. Die Navarreſer murr⸗ 
ten, weil man ſie aus ihrem Lande heraus hierher nach die— 
ſem Schlachtfelde geführt hatte: alles wegen dieſes ver— 
dammten Bilbao. Die Entmutigung hatte ſogar auf die 
Führer übergegriffen. In jener Nacht fand ein Kriegsrat 
der Generale ſtatt, der unter dem Vorſitz des alten Elio, des 
Helden von Oriamendi aus dem verfloſſenen ſiebenjährigen 
Kriege, ſtand. Achtzehn von den Teilnehmern, einſchließlich 
des Königs, erklärten ſich dafür, die Belagerung von Bil— 
bao aufzuheben, um Blut und Zeit zu ſparen. Allein Berritz 
und der alte Andẽchaga, dieſer fahrende Ritter, die Seele 
Biscayens, widerſprachen, auch Elio ſchloß ſich der Mei— 
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