Full text: Frieden im Krieg

  
  
aufgegeben. Sicher haben ſie gehofft, daß der Flitterkönig 
ſie zu königlichen Hofkonditoren ernennen würde ... Aber, 
ſie haben es ja ſelbſt gewollt!“ 
„Ach ja“, ſagte Rafaela. „In Wahrheit aber erſcheint es 
mir dumm und brutal, daß die Menſchen einander um irgend⸗ 
welcher Anſchauungen willen töten.“ 
„Davon verſtehſt du nichts“, unterbrach ſie ihr Bruder. 
— „Um irgendwelcher Anſchauungen willen nicht, — alſo 
warum denn ſonſt? Wohl aus Eiferſucht, nicht wahr?“ 
„Wie dumm das iſt'“, dachte ſie und wurde ganz rot, als 
ſie einen Stich in ihrem Herzen verſpürte. 
„Ja, ja, mein Kind, du kennſt die Welt nicht“, ſagte der 
Vater, waͤhrend er eine Schnitte zum Munde führte. „Es 
iſt gewiß eine traurige Sache, aber ſie haben es eigentlich 
verdient. Hoffentlich haben ſie etwas daraus gelernt.“ 
„Sprich doch nicht ſo. Es gibt Menſchen, die, um mit 
ihrer männlichen Kraft zu prahlen, fähig ſind ...“ begann 
ſie, während ſte an die brutalen Worte ihres Bruders dachte. 
„Sich darüber zu freuen, daß ſie einen Märtyrer zum 
Sohne haben, willſt du ſagen ... Nun, ich bin nicht ſo 
wie ſie, ich wünſche ihnen nichts Böſes, aber verdient haben 
ſie es ſchon.“ 
„Wenn ſie geſündigt haben, ſollte man ihnen verzeihen, 
Papa.“ 
BVerzethung?“ ... Und er legte ſich mit einem großen 
Löffel Milchreis vor., Nun meinetwegen. Aber vergeſſen, 
nein, niemals.“ 
Man ſprach dann noch von allerhand anderen Dingen, 
und als die Unterhaltung zu Ende war, rief Don Juan aus: 
„Ja, es iſt traurig, wirklich traurig. Wie mag's wohl den 
Armen zumute ſein! Ja, ja, die armen Eltern! Das iſt ein 
unerſetzlicher Verluſt.“ 
Und er erinnerte ſich ſeiner verſtorbenen Frau. 
*2315* 
 
	        
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