Full text: Frieden im Krieg

   
  
Tal beſchäftigt: Vorſtellungen, die unklar und verſchwommen 
in ſeinem Geiſte ruhten, deſſen gleichfeörmiger Hintergrund 
immer vom nebelhaften Schatten ſeines verſtorbenen Sohnes 
ausgefüllt wurde. 
Eines Tages ſuchte er einen Hofbeſttzer auf, der im ſelben 
Dorfe lebte und dem gegenüber er ſich ausſprechen und ge— 
meinſam mit ihm über den Verluſt der Erſparniſſe jammern 
konnte. Ganz ſo wie er hatte auch der Beſitzer des Hofes 
einen Sohn verloren, und ganz ſo wie Pedro Antonio 
ſchien er ſich mehr noch um ſein Geld als um dieſen Sohn 
zu härmen. Erſt hatte er das Blut ſeines Kindes hingeben 
müſſen, und nun wollte man ihm allmählich auch noch ſeine 
Geldbörſe ausplündern. Gewiß war es weit bitterer, die 
Söhne mit ihren jungen ſtarken Armen, die ſo gut für die 
Arbeit taugten, hingeben zu müſſen, aber ſchließlich waren 
ſie doch erſetzbar. Der eine ſtarb, ein anderer trat an ſeine 
Stelle, die Familie aber blieb unerſchütterlich beſtehen. Dazu 
kam noch, daß man, wenn man auch zwei kräftige Arme 
weniger hatte, doch auch einen Mund weniger zu ſtopfen 
brauchte. Wenn dagegen der Geldbeutel ſich leerte, dann 
war die wirkliche Not da, und zuletzt konnte es wohl gar ſo 
kommen, daß das ganze Haus dabei zugrunde ging. Und 
wenn die Familie ſich auflöſte, — wer ſollte ſie erſetzen? Ja, 
ſie hatten alle ein tiefes, ſtarkes Gefühl für den Geiſt der 
Familie, für den die einzelnen ſich ſtets zu opfern bereit waren. 
„Beruhige dich doch“, ſagte Pedro Antonio. „Es wird 
uns im Himmel hundertfache Zinſen tragen.“ 
„Ja, ja, ſo ſagen's die Pfarrer ... Einer meiner Söhne 
dient dem König, ein anderer iſt ſchon tot. Nur die Frauen 
und ich, wir ſind noch übriggeblieben und müſſen jetzt das 
Feld beſtellen.. Wenn das ſo weiter geht und ich meinen 
Hof verkaufen muß, was ſoll dann aus meinem Sohn 
werden?“ 
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