Full text: Frieden im Krieg

des und Tragiſcheres erwartet. Man hatte ſeinen Spott 
mit der glorreichen Revolution getrieben, denn dies alles 
lief ſchließlich nur darauf hinaus, daß man ſich heiſer ſchrie, 
die Wappen und die Bildniſſe der Königin verbrannte, eine 
Proklamation nach der anderen erließ, Fahnen durch die 
Straßen trug und in die Luft ſchoß, ohne daß es zu ernſteren 
Ereigniſſen kam, wenn man von den Vorgängen in San— 
tander abſah. ,Das war ein wirklicher Tumult,“ wieder— 
holte Gambelu, „das war tatſächlich ein wildes Durchein⸗ 
ander und kein Spaß. „Es lebe die Freiheit! Es lebe die 
Königin!“ Da war es doch wirklich zu Kanonenſchüſſen ge— 
kommen. Das ja — das war wirklich etwas anderes, als 
dies alberne Theater mit dem Einzug des ſchönen Generals 
in Madrid, dieſe Reden vom Balkon aus und dieſe öffent— 
lichen Umarmungen... So eine Schamloſigkeit!“ 
Nach der Meinung des Pfarrers beſtand jetzt die höchſte 
Aufgabe in der Reorganiſation der carliſtiſchen Partei, einer 
Tätigkeit, mit der auch Don Joſé Waria, der ſich ſo inter⸗ 
eſſant zu machen wußte, eifrig beſchäftigt war. Dieſer erſchien 
eines Tages im Kreiſe der Freunde wie ein Kind, das neue 
Schuhe anhat, um ihnen feierlich und mit wichtiger Miene 
die Abdankung des Prätendenten Don Juan zugunſten ſeines 
Sohnes Carlos mitzuteilen, ſowie die Note des letzteren an die 
Souveräne Europas, in der er erklärte, er würde ſich in loya⸗ 
ler Weiſe bemühen, die nützlichen Einrichtungen unſerer Zeit 
mit denen in Einklang zu bringen, die ſich in der Bergangen⸗ 
heit bewährt und als unentbehrlich erwieſen hätten, zugleich 
verſprach er, das aus freien Wahlen hervorgehende allge— 
meine Parlament, die „Cortes“ beizubehalten und die end⸗ 
gültige wahrhaft ſpaniſche Verfaſſung herzuſtellen. Nachdem 
Joſé Waria die Note vorgeleſen hatte, warf er noch einen 
flüchtigen Blick auf ſie und machte dann eine Miene, als 
dächte er nach, offenbar wartete er darauf, daß noch jſemand 
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