Full text: Das Urwaldschiff

  
   
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
   
   
   
   
    
   
märchenhaft zart hineingemiſcht. — Erſt war es noch wie ein 
goldfarbenes Meer, mit einem ſilbernen Streifen von Uferſand ir⸗ 
gendwo am Horizont und mit einer unbeſtimmten grünſchwarzen 
Linie darüber, bis man ſah, daß das Baumwipfel waren, eine Mauer⸗ 
krone von Baumwipfeln, nichts anderes als der Rand des endloſen 
amazoniſchen Urwalds — und nun ſah man, daß man auf einem Fluß 
war, zwiſchen lauter bewaldeten Inſeln, und dann begann dieſe un⸗ 
glaubliche Invaſion, der erſte große Anſturm der überquellenden tro⸗ 
piſchen Natur: auf einmal wurden alle Verdecke des „Hildebrand“, ja 
auch der Rauchſalon, ſelbſt die Kabinen durchflattert von leuchtenden 
Schmetterlingen, man konnte toll werden vom Hinſchauen; es gab 
große Schmetterlinge, deren Flügel emaillierten Fächern glichen, und 
ganz kleine Motten, lebendige Smaragde und Saphire; manche waren 
grelle einheitliche Farbenflecke, andere wieder vielfarbig und fein ge⸗ 
zeichnet; es war ein tolles geflügeltes Kaleidoſkop, eine Epiſode aus 
einem Traum ohne die Schwere der Wirklichkeit; und ſo war alles an 
dieſem goldenen Morgen. 
Nicht wirklicher als die Schmetterlinge erſchienen auf dem Waſſer 
die phantaſtiſchen Boote, viele, viele. Ihre Segel waren himmelblau 
oder brennend rot; braune und dunkelhäutige Männer ſtanden in ihnen 
aufrecht, manche ganz nackt, nur mit rieſigen Hüten, und ſenkten Netze 
ins Waſſer oder ſtachen mit Speeren hinein; und man ſah, wie ſie 
fortwährend, mit den Netzen, mit den Speeren, glitzernde Fiſche aus 
dem Waſſer holten, ganz kleine oder ungeheuerlich große. Dieſe bunt⸗ 
beſchwingten Boote, den Schmetterlingen gleich, waren überall, weit⸗ 
hin; ſie kamen aus den kleinen Uferbuchten, an denen man ſonderbare 
Hütten oder Schuppen ſah, aus ein paar Palwenſtämmen und Palm⸗ 
blattmatten aufgebaut. Oder die Boote ſchoſſen mit anmutiger Be⸗ 
wegung aus dem dunklen Schatten eines Kanals zwiſchen zwei tief⸗ 
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