Full text: Das Urwaldschiff

  
  
  
  
hausterraſſe geſehen, war ein kurioſes Para⸗Paris; wenn man vom 
Kaffeehaustiſch aufſtand, ſah man die Wipfel des nahen Urwalds. 
Ein Junge ſchrie den „Eſtado de Para“ aus. In weiter Ferne knallte 
etwas, ein Autopneumatik oder ein Schuß, man konnte es nicht wiſſen. 
Punkt neun Uhr kamen vom Hafen her zwei Sonderwagen der 
Straßenbahngeſellſchaft, The Parà Electric Railways and Lighting 
Co. Ltd., die Cruiſers des „Hildebrand“ enthaltend. Revolution oder 
nicht, die Sehenswürdigkeiten von Para mußten beſichtigt werden. 
Die beiden Wagen hielten vor dem Hotel. Dr. Carſon ſtand auf, um 
ſich den Schiffsgefährten anzuſchließen. In dieſem Augenblick erſchien 
Bernhard Schwarz in der Hoteltüre — nicht in ſeinem Tartarinkoſtüm 
aus Khakileinen, nicht mit ſeinem Regenmantel, der vielleicht ein Zelt⸗ 
blatt war, nicht mit ſeinem Tropenhelm, ſondern in einem für das 
Klima zu dicken grauen Sommeranzug mit langen Schößen und mit 
einem kleinen ſteifen graulackierten Strohhut auf dem Kopf, einem 
grobgeflochtenen, in der Mitte peinlich eingebogenen Hutungeheuer 
aus der hinterſten Provinz — man begriff ſofort, daß das die wirk⸗ 
liche Kleidung des Mannes ſein mußte, ſein unromantiſches Zivil — 
Statt des Zeltblatt⸗Regenmantels trug er einen ſchlecht gerollten 
Regenſchirm; das Geſicht war feucht von Schweiß, aber ganz blaß, 
eine dunkle Sonnenbrille verbarg die Augen, um den Mund lag eine 
Art Lächeln, leblos und unveränderlich. 
Hilary, der aufgeſtanden war, um dem Dr. Carſon adieu zu ſagen, 
ſah dem Deutſchen nach, wie er ungeſchickt in den Tramwaywagen 
kletterte. 
„Paſſen Sie ein bißchen auf ihn auf, Doktor — —“ 
An dieſem ſelben Tag war in Para die Hölle los: eine Revolution 
war mißglückt, ſiegreiche Gewalt durfte Gewalttätigkeit Ordnung 
Bermann, Das Urwaldſchiff * 49 * 
  
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