Full text: Erlebnisse eines schweizerischen Ingenieurs in Californien, Mexico und Texas zur Zeit des amerikanischen Bürgerkrieges, 1861-1865

  
  
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Waſſer über den Kopf gießen, ſchüttelte dann ſorgfältig die 
Kleider und die Stiefel aus, um nicht mit einem Centiped 
oder einer Tarantel zu nahe Bekanntſchaft machen zu müſſen 
und zog ſich an, welche Arbeit aber nie ohne ein kleines Ge— 
fecht mit allerhand Inſekten ablief. Das Frühſtück beſtand 
aus Wild, gewöhnlich Puter, gekochtem Reis, ſchwarzen 
Bohnen, Kaffee oder Chocolade. Brot hatten wir nur im 
anfang, das Mehl wurde der großen Hitze wegen ſchon nach 
23 Wochen lebendig. Auch mit den Makkaroni giengs 
ſchlecht, die waren nach drei Wochen voll ſchwarzer Käfer, 
die mit der Schaumkelle abgeſchöpft wurden bis auf diejenigen, 
die ſich aus den Röhren nicht herausfinden konnten, und ſtill— 
ſchweigend mitverſpieſen wurden. Koch und Treiber erhielten 
die Weiſung, gegen Mittag aufzubrechen, um ca. zwei Stunden 
weiter einen guten Platß zum Abkochen zu ſuchen und bis 
4 Uhr die Mitltagsmahlzeit bereit zu halten. Nach vollem 
Tagesanbruch nahm jeder ſein Werkzeug zur Hand und wir 
brachen auf, um uͤns auf die Stelle zu begeben, wo die Ver— 
meſſungen geſtern eingeſtellt worden waren. Der Urwald 
war ſo dicht, daß es eine Unmöglichkeit war, regelrechte geo— 
dätiſche Vermeſſungen zu machen, und mußte man, um eine 
annähernd gute Konfiguration der Landenge zu erhalten, die 
Flüſſe und Wege und die Grenzen der großen Güter ver— 
meſfen und auf Papier bringen. Dieſe Arbeit nahm nahezu 
drei Jahre in Auſpruch, Die Wege waren bloße Maultier⸗ 
pfade, drei Fuß breit und wurden mit Kompaß und Kette ſo 
genau dufgenommen, als es mit dieſen Inſtrumenten möglich 
war. Mit verhülltem Kopf mußte ich arbeiten, der biſſigen 
Mosquitos wegen, und nur dadurch, daß zwei Indianer 
brennende Palmenwedel vor mir her ſchwangen, war es mir 
möglich, Kurſe und Diſtanzen der Vermeſſung in mein Tage— 
buch einzutragen und konnte ich dasſelbe nicht ſchließen, ohne 
daß nicht einige der Tierchen zwiſchen den Blättern blieben. 
Namentlich am Morgen waren ſie ſehr zudringlich bis der 
Nebel ſich vor der höherſteigenden Sonne drückte, dann 
machten ſie einer kleinen boshaften Fliege, Bodadores genannt, 
Platz, deren Biß drei bis vier Wochen einen brennenden 
Schmerz verurſacht, und zwar ſollen nur die Weibchen ſtechen. 
— Oft dachte ich an das Sprichwort: „Man wandelt nicht 
ungeſtraft unter Palmen“, beſonders dann, wenn zu all dieſen 
 
	        
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