Full text: Herbsttage in Andalusien

  
Die Stadt der Grazie. —114 
das „Haus des Cäſars“, ſtand bereits auf ihr. Im zehnten 
und elften Jahrhundert errichtete dann der toledaniſche 
Architekt Djalubi den mauriſchen Königspalaſt für Abderrachman 
Anaſſir Lidin Allah. Mit der Giralda ging er beim Fall 
Sevillas in chriſtliche Hände über und iſt nun ein beſonderes 
Beiſpiel für die Weiterpflege der mauriſchen Kunſt in chriſt— 
lichen Händen geworden, die einen größeren Raum in der 
Kunſtgeſchichte Spaniens einnimmt, als Fernerſtehenden be— 
kannt zu ſein pflegt. 
Wenn die Kunſtkritik im vorigen Jahrhundert und wohl 
noch im Anfang des unſerigen den mauriſchen Architektur— 
wundern Spaniens ziemlich verſtändnislos gegenüberſtand, ſo 
iſt dieſe Beſchränktheit doch erſt eine jüngere Errungenſchaft 
geweſen, eine Folge der unſinnigen Überſpannung des chriſt— 
lichen Fanatismus in der Inquiſitionsepoche. Vorher trat 
der chriſtliche Spanier, wie ich an dem Beiſpiel der Giralda 
zeigte, mit hoher Würdigung den Schöpfungen der Mauren— 
kunſt gegenüber. Indem die mauriſche Bevölkerung der 
Städte, die nach und nach aus den Händen der Muhammedaner 
wieder in die Gewalt der chriſtlichen Fürſten zurückfielen, 
zunächſt ungeſtört unter der neuen Herrſchaft wohnen blieb, ja 
mit ihrer Intelligenz und ihrem Reichtum häufig eine Haupt— 
ſtütze der Machthaber bildete, traten vielfältig die mauriſchen 
Baumeiſter in chriſtliche Dienſte und paßten die Formen ihrer 
Architektur chriſtlichen Zwecken an. So entſtand ein ganz be— 
ſonderer mauriſch-chriſtlicher Miſchſtil, den man den estilo mude- 
jar nennt, und dem die Halbinſel eine Reihe ebenſo ſchöner, wie 
eigenartiger baulicher Kunſtwerke verdankt. Neben dem Alkazar 
iſt in Sevilla ſelbſt das wichtigſte dieſer Art die mit Recht 
berühmte Caſa de Pilatos, ein von 1600-1533 durch einen 
ſpaniſchen Baumeiſter errichteter Privatpalaſt eines ſpaniſchen 
Granden, der ſowohl in den ſchlanken Säulenarkaden ſeines 
  
 
	        
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