Full text: Herbsttage in Andalusien

    
    
4 LKapitel J. 
Seeéadlers ſich eingekrallt haben. — Eine lachende Stadt 
ſehe ich dann, in farbenbrennende Gärten gebettet, eine 
Stadt voll Lebensglut und feiner Grazie, ganz wie die 
ſchlanken, feueräugigen Mädchengeſtalten, die durch ihre 
weißen Gaſſen wandeln, elaſtiſchen, tanzgewohnten Schritts, 
den beredten Fächer in der Hand und die rotblühende Roſe 
im dunklen Haar: Sevilla. — Jetzt rauſchende Muſik und 
flammende Lichter in einem weiten Saale: die Königin von 
Spanien giebt einen Ball; dort ſchreitet ſie mit funkelndem 
Haarſchmuck im Rundgang durch die dichtgeſcharten Reihen, 
und eine ſtets mit ihr flutende Welle von Verneigungen ant— 
wortet dem leichten Nicken ihres Hauptes. — Nun wiederum 
bin ich in einer Berglandſchaft von fürchterlicher Ode; er— 
ſtorbenes, wie von Feuer verſengtes Buſchwerk umſtarrt nur hier 
und da das kahle, graue Geklipp; Schwefeldampf treibt in 
erſtickenden Wolken über die nackten Steinflächen, und ein 
roter Strom, wie rieſelndes Blut zu ſchauen, rinnt durch die 
Felſenwüſte. Die Kupferminen von Rio Tinto nennt man dieſe 
Gegend, die einem Maler von Dantes Hölle Motive liefern 
könnte. — Jetzt dagegen lehne ich in dem mauriſchen Fenſter— 
bogen am Erker der ſchönen Sultanin Lindaraja, unter mir 
draußen den blühenden Schloßgarten, drinnen die wunderſam 
kunſtvoll gewölbte Halle der „Zwei Schweſtern“. In das 
flache, in ihren marmornen Fußboden eingelaſſene Becken fällt 
mit träumeriſchem Plätſchern der Springquell zurück, und 
ſein Waſſer gleitet über die weißen Treppenſtufen hinaus in 
den ſonnenbeſchienenen Löwenhof: Dies iſt der Königspalaſt 
auf der Alhambka. — Horch! Wildes Volksgeſchrei umbrauſt 
mein Ohr, und ſprühende Farben blitzen: in der Arena 
unten tobt der Stier; ſoeben tritt langſamen Schrittes der 
Espada mit blutrotem Mantel und geradem Stoßdegen ihm 
gegenüber. — Der tolle Lärm verhallt, nur eine Guitarre 
  
 
	        
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